Sachgrundlose Befristung… eine Arschlochaktion!

Written by on 13. Februar 2018

Eines der zentralen Anliegen der SPD vor im Bundestagswahlkampf vergangenes Jahr war, die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen zu kippen. Es geht dabei darum, dass Arbeitgeber Arbeitsverträge befristen können, und zwar entweder mit Grund, etwa bei einer Krankheits- oder Elternzeitvertretung, oder eben ohne Grund. Dabei spielen wahrscheinlich wirtschaftliche Interessen, wie die Flexibilität bei den Personalkosten in Abhängigkeit von der Auftragslage, eine Rolle.

Sachbegründete Befristungen konnten ohne Limit gemacht werden, also keine Maximalanzahl an Verträgen und keine Maximaldauer des befristeten Verhältnisses insgesamt. Sachgrundlose Befristungen gingen pro Arbeitgeber und Mitarbeiter maximal zwei Jahre.

In den Verhandlungen zur GroKo ist nun ein ziemlicher Murks herausgekommen. Die SPD verkauft es zwar als „Durchbruch“, aber bitte, entscheide selbst:

Sachgrundlose Befristungen: Forderung war, diese komplett abzuschaffen Kompromiss ist nun, die Maximaldauer auf 1,5 Jahre zu reduzieren.

Sachbegründete Befristungen: Diese dürfen nun maximal 5 Jahre dauern.

Beide „Kompromisse“ sind für mich eine Verschlechterung der aktuellen Situation. Und zwar eine Verschlechterung für die Arbeitnehmer! Warum? Aus meiner Sicht ist ein Arbeitgeber für einen Mitarbeiter in Befristung nun einfach schneller verbrannt!

nehmen wir die sachgrundlose Befristung. Vorher war es so, dass der Mitarbeiter zwei Jahre bei dem gleichen Arbeitgeber arbeiten konnte. Klar, vielleicht mit mehreren Verträgen, und sicher auch mit einer entsprechenden Unsicherheit. Aber maximal möglich waren zwei Jahre. Nun muss er sich bereits nach 1,5 Jahren nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Und kommt sehr wahrscheinlich wieder in eine Befristungssituation. Ich setze nämlich voraus, dass jeder Mensch, der in einer Befristung ist, alles versucht, von Haus aus in eine unbefristete Anstellung zu kommen.

Ebenso bei der sachbegründeten Befristung. Vorher bestand die Möglichkeit, dass der Mitarbeiter unbefristet befristet wurde (welch Schizophrenie!). Jetzt kann er maximal fünf Jahre befristet werden. Also wird hier eine doppelte Unsicherheit geschaffen.

Ich finde es grandios (Achtung, Sarkasmus!!), dass die SPD das als Sieg verkauft. Da sieht man mal, mit welcher Vermessenheit diese ehemals so stolze Partei agiert. So wird das Nichts mit einer Neuausrichtung. Aber das nur am Rande.

Ich schreibe heute über dieses politische Thema, weil mir das sehr nahe geht. Ich bin nun zwar Unternehmer, und sollte deshalb vielleicht Befristungen ganz toll finden. Aber ich muss ehrlich gestehen, die einzigen Befristungen die ich bei Arbeitsverhältnissen bisher gemacht habe, waren bei Nicht-EU-Ausländern, bei denen der Arbeitsvertrag auf die Laufzeit der Aufenthaltsgenehmigung gekoppelt war. Als diese unbefristet da war, waren auch die Arbeitsverträge automatisch UNbefristet.

Ich finde, eine Befristung ist eine ziemliche unternehmerische Arschlochaktion, sorry für die Ehrlichkeit! Warum? Ganz einfach!

Wir Unternehmer reden immer vom unternehmerischen Risiko das wir tragen. Wir setzen unser Kapital ein, riskieren, dieses zu verlieren und wollen für dieses Risiko entschädigt werden.

Zu diesen Risiken zähle ich bspw. eine schlechte Auftragslage, das gibt es immer wieder. Unternehmerische Fehlentscheidungen, auch das kommt immer wieder vor. Fehler von Mitarbeiter sind auch nicht selten. Und Ausfälle von Mitarbeitern, auch damit kann man rechnen. Klar, Naturkatastrophen, unfähige Politiker, Krisen in anderen Ländern, all das kommt noch dazu.

Ist ja nur verständlich, dass wir Unternehmer sagen: OK, in guten Zeiten will ich schon was haben, also ziehe ich mir mal meine 4-7% Umsatzrendite raus. Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not.

Durch Befristungen wird von manchen aber nun versucht, das eingetretene Risiko von jemand anderem managen zu lassen. Aber nicht von jemandem, der damit umgehen kann. Nicht von einer Bank vielleicht, die man dafür bezahlen müsste. Oder von einem anderen Geldgeber, oder von Lieferanten mit erweiterten Zahlungszielen. Nein, das kostet alles Geld! Da ist es doch gut, wenn ich ein paar Mitarbeiter mit befristeten Verträgen habe. Die hau ich einfach raus, dann passts unterm Strich wieder. Also das Risiko, für das wir uns in guten Zeiten entschädigen lassen, geben wir eins-zu-eins weiter an die schwächsten Glieder, nämlich die Mitarbeiter.

Die schaffen es aber nicht, sich in guten Zeiten ein Polster aufzubauen. Die schaffen es nicht, sie diese Risiken von anderen absichern zu lassen. Die sind einfach weg, wenn ihr Vertrag weg ist. Die müssen dann ALLES annehmen was kommt. Denn was bedeutet eine Befristung für einen Mitarbeiter? Ständige Unsicherheit. STÄNDIGE UNSICHERHEIT!! Die wissen nicht, ob sie mit ihren Kindern in den Zoo fahren können. Die können nicht mal sagen, ob sie die Geburtstagsfeier für ihr Kind machen können, oder Geschenke kaufen können. Und genau deshalb ist das für mich eine Arschlochaktion! Denn JEDER weiß, was eine Befristung für die Betroffenen bedeutet. Und die Menschen, die Unternehmer, die dafür zuständig sind, deren Job es ist, dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter ihre Familie ernähren können, sorgen damit genau für das Gegenteil! Aber in der Arbeit immer Leistung verlangen, obwohl das mit so einem Damoklesschwert über dem Kopf nicht wirklich möglich ist.

Deshalb gebe ich an dieser Stelle ein Versprechen:

In meinem Unternehmen wird es NIEMALS befristete Arbeitsverträge geben! Einzige Ausnahme? Wenn der Mitarbeiter ausdrücklich darauf besteht, fange ich das Nachdenken an.

Wer macht mit?



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